Dieser Wahlkampf war historisch: Selten war eine Bürgermeisterwahl in Ammerbuch so aufgeladen !
Sieben Kandidaten, überdurchschnittliche 63.4% Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang und am Schluss ein klarer Sieger. Hinter Ammerbuch liegt eine Zeit intensiven Wahlkampfs!
Die Bundestagswahl 2025 ist zwar schon weit weg, doch der Landtagswahlkampf hat seine Spuren noch sichtbar hinterlassen. Nur drei Tage nach der Stichwahl wurde unser neuer Ministerpräsident Özdemir (Grüne) vereidigt. Dazu kam der über zwei Monate andauernde Wahlkampf der sieben Bürgermeisterkandidaten, der am vergangenen Sonntag sein wohlverdienten Schluss gefunden hat.
Wahlen sind immer Zeiten von Datenanalysen und auch bei dieser Bürgermeisterwahl gibt es einige sehr interessante Befunde: Im folgenden wollen wir fünf solcher Erkenntnisse und Befunde vorstellen, die wir gerne zur Diskussion stellen:
1️⃣ Viele Kandidaten = hohe Wahlbeteiligung ? Oder: Das neue Wahlrecht hat demobilisiert (und warum das gut sein kann).
2️⃣ Andreas Schmitz und Achim Höckh haben die Stichwahl gesichert
3️⃣ Daniel Rudolph hatte die stabilste Basis
4️⃣ Die Stimmen der Unterlegen verteilen sich ungleich
5️⃣ Die Grünen und die AfD
6️⃣ Das Fazit
1. Viele Kandidaten = hohe Wahlbeteiligung ? Oder: Das neue Wahlrecht hat demobilisiert (und warum das gut sein kann).
Traditionell kennen wir es in Baden-Württemberg so:
1️⃣ Je mehr Kandidaten bei einer Wahl antreten, desto höher die Wahlbeteiligung. Und:
2️⃣ Im zweiten Wahlgang ist die Wahlbeteiligung traditionell ein wenig höher als im ersten, da es entscheidend ist, wer gewinnt.
Die erste These hat sich erfreulicherweise bewahrheitet. Die zweite leider nicht. Das lag an einem Novum: Diese Wahl war die erste Bürgermeisterwahl, nach dem neuen Kommunalwahlrecht. Im alten Wahlrecht musste im ersten Wahlgang ein:e Kandidat:in die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erreichen (50%+x). Im zweiten Wahlgang reichte hingegen die relative Mehrheit der gültigen Stimmen (sprich die meisten gültigen Stimmen/ Platz 1).Das alte Wahlrecht hatte so zur Folge, dass Kandidat*innen auch mit weniger als der Hälfte der gültigen Stimmen gewinnen konnten. Ein Kandidat musste einfach nur mehr Stimmen als andere Kandidaten haben. Dieses alte Wahlrecht führte zu teils krassen Ergebnisse, wie in Alpirsbach, wo 2016 der dortige Gewinner mit gerade mal 28,5% der Stimmen in sein Amt kam (Schwarzwälder Bote). In Rottenburg gewann 2008 OB Stephan Neher mit weniger als 36% der Stimmen seine erste Amtszeit (Wahlergebnis '08). In Reutlingen klappte es 2019 für Thomas Keck mit guten 41% (Staatsanzeiger).
Der Landtag Baden-Württemberg beschloss Ende März 2023, dass im zweiten Wahlgang von Bürgermeisterwahlen statt einer Neuwahl nun eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den höchsten Stimmenzahlen folgt. Die Idee und der Vorstoß stammten aus dem Grün-Schwarzen Koalitionsvertrag für 2021-2026. Damit beendete der Landtag eine Praxis die so fast nur noch in Baden-Württemberg zu finden war und seit 1955 keiner Änderung mehr unterzogen wurde. Der zweite Wahlgang einer Bürgermeisterwahl wurde so fundamental verändert.
Bild 1: Das Ergebnis des ersten Wahlgangs. Der Drittplatzierte Salzer hatte einen Abstand von 337 Stimmen auf RudolphBei der Ammerbucher Bürgermeisterwahl konnten wir die Effekte dieses neuen Wahlrechts sehen: Knapp 14% der Wähler*innen des ersten Wahlgangs nahmen nicht mehr teil. Die Wahlbeteiligung sank im zweiten Wahlgang um ca. neun Prozentpunkte auf 54.5%. Wenn man auf das Wahlergebnis schaut ist das zumindest nachvollziehbar, Daniel Rudolph und Lukas Haderlein, die beide mit knapp 22% vorne lagen, konnten gemeinsam nur 44% aller Stimmen des ersten Wahlgangs auf sich vereinen. Dass es nun Wähler:innen gab, die nicht mehr teilnehmen wollten, da ihr präferierter Kandidat nicht mehr auf dem Wahlzettel zu finden war, ist eine mögliche Erklärung.
Trotzdem muss man sagen: Das neue Wahlrecht hat zur Folge, dass der nächste Bürgermeister mit einem klaren Mandat von knapp 60% gewählt wurde. Ein verzerrte Wahl wie in Alpirsbach blieb aus.
Wer sich näher mit dem für oder wieder des neuen Wahlrechts auseinandersetzen will, sei diese Bachelorarbeit empfohlen: Bachelorarbeit Oliver Hesky 2023
Die Grafik zeigt die Orte von Ammerbuch nach Erst- und Zweitplatzierte im ersten Wahlgang (19.04.26). Michel Salzer konnte zwar in den meisten Dörfern überzeugen, aber nur in den kleinsten. Das wurde ihm zum Verhängnis.
2. Andreas Schmitz und Achim Höckh haben die Stichwahl gesichert
Das Gesprächsthema vor dem ersten Wahlgang war klar: Wer von den sieben kommt weiter? Durch alle Dörfer hinweg wurde erwartet, dass keiner der Kandidaten ein Ergebnis jenseits der 25% einfahren wird. Dafür war das Kandidatenfeld zu fragmentiert. In der letzten Gemeinderatssitzung vor dem 19.04.26 wurde sogar eifrig noch darüber diskutiert, dass viele gar nicht wussten, dass nur noch zwei Kandidaten weiterkommen dürfen. So wurde dann ein expliziter Wahlaufruf empfohlen, der auf diese Neuerungen hinwies, den die Gemeindeverwaltung so auch umsetzte.
Das Ergebnis des ersten Wahlgangs machte die Fragmentierung recht eindrucksvoll klar. Dabei fällt eines auf: Die Verteilung der Stimmen
Bild 2: Wo kommen die Stimmen der Kandidaten her?Achim Höckh und Andreas Schmitz als Lokalmatadoren haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie (nur) in ihren "Heimatdörfern" gute Wahlergebnisse einfahren können. Man kann das sowohl an der Stimmverteilung wie auch an den einzelnen Wahlergebnissen sehen . Höckh hat gut 40% seiner Urnen-Stimmen allein in Pfäffingen geholt, Andreas Schmitz hat sogar 56% aller Urnenstimmen in Entringen geholt - außerhalb ihren Hochburgen konnten sie kein Wahlergebnis jenseits der 10 % holen. Damit haben sie die anderen Kandidaten, v.a. Michel Salzer der in den kleineren Dörfern extrem stark abgeschnitten hat, vor einem besseren Ergebnis abgehalten und damit die Stichwahl mit den zwei deutlichen stärkeren Ergebnissen für Haderlein und Rudolph ermöglicht.
Norbert Gimpl als selbst inszenierter Lokalmatador hat durchweg schwach abgeschnitten und war damit für das Wahlergebnis wenig beeinflussend.
3. Daniel Rudolph hatte die stabilste Basis
Bild 3: Die Wahlergebnisse in den einzelnen DörfernWer sich die Ergebnisse in den einzelnen Dörfern anschaut kommt auf eine beeindruckende Vielfalt. Kein Kandidat konnte in allen Dörfern triumphieren. So gewann Michel Salzer die relative Mehrheit in Reusten, Poltringen und Breitenholz. Lukas Haderlein konnte in Altingen überzeugen mit dem besten Einzelergebnis aller Kandidaten (27%). Daniel Rudolph holte in Entringen sein stärkstes Ergebnis. In Pfäffingen setzte sich Achim Höck mit nur 3 Stimmen von Rudolph ab. Bei einer genauer gehenden Analyse kann man folgendes feststellen:
Bild 4: 36% aller Stimmen kamen aus Entringen, 18% aus Altingen und die restlichen 46%verteilten sich auf vier DörferIm Vergleich zur Bevölkerungsaufteilung auf den Dörfern und der Anzahl der Wähler:innen in allen Dörfern sieht man, dass ...
1️⃣ ... Rudolph eine annähernd gleiche Verteilung seiner Stimmen zu der Gesamtverteilung aller Stimmen hatte (Bild 2 zu Bild 4). Er holte zudem in den größeren Dörfern die meisten Stimmen (Bild 3) und schnitt in der Briefwahl gut ab und konnte sich so den Einzug in die Stichwahl sichern.
2️⃣ ... Haderlein in Entringen nur knapp unter Rudolph lag und dafür in Altingen überzeugen konnte, er aber in den anderen Dörfern teils deutlich schwächere Ergebnisse holte. Wie Daniel Rudolph, konnte er sich durch die Briefwahlergebnisse deutlich vom restlichen Bewerberfeld absetzen.
3️⃣ ... Karrenführ und Salzer ebenfalls Hochburgen hatten, diese aber vor allem in den kleineren Dörfern lagen. So verfehlten beide die ersten Plätze mit knapp 340-360 Stimmen.
4️⃣ ... Höckh und Schmitz außerhalb "ihrer Dörfer" wenig Boden gewinnen konnten. Gimpl kam in keinem Dorf über 6% der gültigen Stimmen.
Besonders auffällig war das stärkere Abschneiden Rudolphs bei den Urnenstimmen im Gegensatz zu Lukas Haderlein. Nur durch einen Vorsprung von 73 Briefwahlstimmen konnte sich Haderlein auf Platz eins vorschieben.
Bild 5: Links die Aufteilung der Urnenstimmen. Rechts die Briefwahlergebnisse. 771 ist der Bezirk Breitenholz, Entringen, Pfäffingen 772 Ist Altingen, Reusten, Poltringen4. Die Stimmen der Unterlegen verteilen sich ungleich
Ein großes Rätselspiel am ersten Wahlsonntag war das Verhalten der Wähler:innen der Unterlegenen. Wohin wanderten diese 56% der gültigen Stimmen? Zumindest der Kandidat Max Karrenführ sprach sich innerhalb weniger Tage öffentlich für Rudolph aus, von den anderen Kandidaten kamen keine weiteren öffentliche Empfehlungen oder Unterstützung für oder gegen die Stichwahl-Kandidaten.
Wenn man sich die Stimmenwanderung in den einzelnen Dörfern anschaut, kann man feststellen: Die Stimmen der Unterlegenen verteilten sich uneinheitlich, es gab keine geschlossene Wanderung der Stimmen des Milieus von Kandidat A zu Kandidat B.
So kann man durch alle Dörfer hinweg eine ungleiche Stimmenwanderung feststellen.
Bilder 6-7: Stimmenwanderung der "neuen" gültigen Stimmen
Im ersten Wahlgang haben 56% der Wähler:innen ihre Stimme entweder einem Kandidaten gegeben, der nicht weiterkam oder ungültig gemacht. Das waren insgesamt 3199 Stimmen. Davon haben 898 ihre Stimme weder Haderlein noch Rudolph gegeben, da sie entweder nicht mehr wählen gegangen sind oder ihre Stimme ungültig gemacht haben (Siehe Bild 8). Prozentual waren das 28% aller Stimmen die im ersten Wahlgang den Unterlegenen gegeben wurden.
Von den 2301 Stimmen die neu verteilt wurden gingen knapp 60% an Daniel Rudolph. 794 gingen an Lukas Haderlein. Somit konnte Daniel Rudolph, der im ersten Wahlgang 1238 Stimmen hatte, sein Ergebnis mehr als verdoppeln. Lukas Haderlein konnte sein Ergebnis zwar um gut 90% steigern und insgesamt 2039 Stimmen gewinnen, verfehlte aber damit Platz 1 deutlich.
Bild 8: Die gesamte Stimmenwanderung Die Stimmen rechs stellen die "freigesetzten" Stimmen der unterlegenen Kandidaten dar. Links findet sich die NeuaufteilungDabei gab es bemerkenswerte Ergebnisse in den einzelnen Dörfern:
1️⃣ Entringen: In Entringen konnte Daniel Rudolph 80% der gültigen neuen Stimmen auf sich vereinen. Ein absoluter Rekord ! Mit dem Gewinn von 302 Stimmen eilte er Haderlein davon und konnte hier seine höchsten Ergebnisse von 61,4% (Kelter) und 63,2 (Kinderhaus) einfahren.
2️⃣ Altingen: Hier konnte Lukas Haderlein seinen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang nur knapp halten. Er gewann 79 neue Stimmen hinzu, Rudolph 97. Der Vorsprung Haderleins aus dem ersten Wahlgang schrumpfte von 40 auf nur noch 22 Stimmen. Insgesamt schnitt Altingen von der Wahlbeteiligung am schwächsten ab.
3️⃣ Pfäffingen: Hier konnten beide ihr Ergebnis um 140% steigern. Der gehörige Unterschied aus dem ersten Wahlgang setzte sich fort und endete im wohlbekannten Ergebnis von 61,3% zu 38,7%. Rudolph konnte 120 Stimmen und damit 61% der neue Stimmen gewinnen, Haderlein nur 77 (39%).
4️⃣ Poltringen: Als Hochburgen von Michel Salzer und Max Karrenführ konnten die beiden Stichwahlkandidaten im ersten Wahlgang hier nur 35% der Stimmen auf sich vereinen. Mit dem Stichwahl-Ergebnis von 52,4% zu 47,6% konnte sich Rudolph hier mehr als verdreifachen. Haderlein gewann 99 neue Stimmen, Rudolph 130. Poltringen hatte eine Besonderheit: Hier gab es die höchste Zahl an ungültigen Stimmen im zweiten Wahlgang - vielleicht wegen dem schwachen Ergebnis der beiden Stichwahlkandidaten im ersten Wahlgang?
5️⃣ Reusten: Das einzige Dorf in dem Lukas Haderlein mehr neue Stimmen dazu gewann als Rudolph (82 zu 60). Haderlein verdreifachte sein Ergebnis. Rudolph konnte mit einem deutlich geschrumpften Vorsprung von nur noch zwei Stimmen das Dorf für sich gewinnen.
6️⃣ Breitenholz: Hier gab es den traurigen Rekord, dass über 50% der Wähler:innen, die einem Unterlegenem ihre Stimmen gegeben hatten, nicht mehr zur Wahl gegangen sind. Die Wahlbeteiligung sank folglich um 12 Prozentpunkte !
Trotzdem führte Rudolph das Dorf mit 52 neuen Stimmen zu einem souveränem 58,2% zu 41,1% Ergebnis. Haderlein konnte 30 neue Stimmen sammeln.
Bei den beiden Briefwahlbezirken wanderten über Zweidrittel der gültigen neue Stimmen auf das Konto von Daniel Rudolph. Er konnte beide Wahlbezirke für sich gewinnen und sein Stimmenergebnisse so verdreifachen. Vor allem konnte er hier maßgeblich seinen 700-Stimmen-Vorsprung aufbauen.
Bilder 9 -12: Oben: Briefwahlergebnisse Unten: Stichwahlergebnisse in den Dörfern
5. Die Grünen und die AfD
Einer der spannendsten Befunde wird deutlich, wenn man die Wahlergebnisse von Rudolph und Haderlein mit den Wahlergebnissen der Bundestagswahl 2025 und der Landtagswahl 2026 vergleicht. In der Politikwissenschaft gibt es das Instrument der Regressionsanalyse. Mit dieser Analyse können Zusammenhänge zwischen Daten (hier: Wahlergebnisse) aufgezeigt werden. Wir haben die Ergebnisse aller Kandidaten mit den beiden Ergebnissen der Wahlen 2025 und 2026 verglichen. Bei zwei Kandidaten hat sich ein spannender moderater Zusammenhang mit den Wahlergebnissen der Grünen und der AfD aufgezeigt.
Bild 13: Wie hängen die Wahlergebnisse zusammen ? Die Zahl links beschreibt die Korrelation, die Zahl rechts die Aussagekraft.Kurz zu den Zahlen:
Die Zahl links von R2 zeigt den sogenannten R-Wert an, die Korrelation. Korrelationswerte gehen von -1 bis 1. Ein R-Wert von 1 heißt: Stark Positiver Zusammenhang. Ein R-Wert von 0 heißt: Kein Zusammenhang. Ein R-Wert von -1 heißt: Stark negativer Zusammenhang.
R²-Wert : Wenn eine Regression ein R² nahe 0 besitzt, bedeutet dies, dass die beiden Datensätze die man miteinander vergleichen möchte (hier: zwei verschiedene Wahlergebnisse) nicht gut dazu geeignet sind eine aussagekräftigen Zusammenhang zu produzieren. Näheres dazu hier.
Aus der Tabelle (Bild 13) lässt sich also folgendes ablesen.
1️⃣ Im ersten Wahlgang sehen wir einen moderat starken Zusammenhang zwischen der Ergebnisse der Grünen bei Bundes- wie Landtagswahl und den Wahlergebnissen von Daniel Rudolph. Die Wahlergebnisse von Lukas Haderlein deuten auf keinen solchen Zusammengang hin. Das heißt, aus den Wahlergebnissen der Bundestags- und Landtagswahl lässt sich nicht auf die Wahlergebnisse von Lukas Haderlein schließen. Wenn man der Auffassung wäre, dass die Wahlergebnisse der Grünen vorhersagen könnten, wie stark die Wahlergebnisse von Haderlein sind, so ist diese Auffassung für den ersten Wahlgang falsch. Bei Rudolph hingegen trifft diese Auffassung größtenteils zu.
2️⃣ Zu den Wahlergebnissen der AfD sehen wir bei beiden Kandidaten im ersten Wahlgang keinen Zusammenhang.
3️⃣ Im zweiten Wahlgang sehen wir bei Daniel Rudolph denselben moderat starken Zusammenhang zu den Grünen Wahlergebnissen, wenn auch etwas schwächer (was sich dadurch erklären lässt, dass er weitere Milieus in der Stichwahl für sich gewinnen konnte). Allerdings können wir nun einen moderat stark negativen Zusammenhang zu den Wahlergebnissen der AfD sehen.
4️⃣ Und genau umgekehrt ist es bei Haderlein. Seine Wahlergebnisse weisen nun eine moderat starke Korrelation zu den Wahlergebnissen der AfD auf - und eine negative Korrelation zu deren der Grünen.
Insgesamt können wir folgende Tendenzen herauslesen: Daniel Rudolph konnte im ersten und im zweiten Wahlgang zu einem großen Teil auf das Wähler:innen-Milieu der Grünen setzen. Im zweiten Wahlgang konnte er weitere Milieus für sich gewinnen. Lukas Haderlein hingegen konnte im ersten Wahlgang auf kein Parteien-Milieu richtig setzen. Im zweiten Wahlgang hingegen können wir einen moderaten Zusammenhang - oder der Lagertheorie entsprechender - eine Affinität zu einem konservativerem Milieu in Abgrenzung zu Rudolphs Wähler:innenschaft feststellen.
6. Das Fazit
Was bleibt?
1️⃣ Daniel Rudolph hat die Wahl deutlich gewonnen. Er konnte im zweiten Wahlgang in fast allen Dörfern und allen Briefwahlbezirken deutlich stärker Stimmen mobilisieren als Lukas Haderlein und hat es geschafft neben den grünen-nahen Milieus, weitere politisch Milieus für sich zu gewinnen. Seine Mehrheit von 57,4 % spricht dafür.
2️⃣ Lukas Haderlein konnte weniger Stimmen neu für sich gewinnen. Seine Analyse der Wahlergebnisse im ersten und im zweiten Wahlgang lässt eine Verengung seiner Wähler:innenschaft auf ein eher konservativeres Milieu tendenzhaft erkennen.
3️⃣Die Urnenwahlstimmen von Michel Salzer, Max Karrenführ, Andreas Schmitz, Achim Höck und Norbert Gimpl gingen zu einem Großteil nicht verloren, sondern verteilten sich zu 37% auf Rudolph, zu 21 % auf Lukas Haderlein und eben zu 42% auf Nichtwahl und Ungültige Stimmen.
4️⃣ Daniel Rudolph muss weiterhin Überzeugungsarbeit leisten. Wie von Uschi Hahn im Tagblatt-Kommentar vom 10.05. richtig anmerkt: Zweidrittel haben ihn nicht gewählt. Wenn man die Wahlergebnisse auf die Einwohner:innenzahlen Ammerbuchs (Stand 31.03.26) hochrechnet schwindet der Wahlgewinn von 57,4% auf unter 26 %.
Bild 14: Auf die Einwohner:innenzahlen Ammerbuch hochgerechnet (Stand 31.03.26)5️⃣ Schlussendlich bleibt nur uns bei alle Kandidaten, bei allen Wahlhelfer:innen, bei der Gemeindeverwaltung und vor allem bei allen Wähler:innen in Ammerbuch zu bedanken. Eine Wahl braucht Menschen die sich zutrauen einen Wahlkampf zu stemmen und Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Eine Wahl braucht Menschen die den unsichtbaren aber enormen Organisationsaufwand dahinter abarbeiten und unsere Demokratie sichern. Und at last: Eine Wahl braucht vor allem Menschen die ihre Stimme abgeben und gemeinsam über ihre Zukunft neu entscheiden wollen !
Als GAL Ammerbuch gratulieren wir Daniel Rudolph zur Wahl zum neuen Bürgermeister von Ammerbuch !
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