Seit 1971 eine Gemeinde aus sechs Dörfern
Eine Erfolgsgeschichte !
Die 1970er: Ein Gespenst geht um. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat genug von den kleinteiligen Gemeindestrukturen im Land. Aus den damals 3.379 Gemeinden sollen deutlich weniger werden. Die Verwaltungsstrukturen sollen effektiver, effizienter und einfacher zu handhaben sein. Die Bevölkerung und die Gemeinden waren schockiert. Ein langer Prozess aus Streit, Protest, Verhandlungen, Feilschen und Verträgen führte schließlich zu einer Reduzierung der Gemeinden auf 1.101.
Protestzug von Einwohner*innen der Härten-Gemeinden in Stuttgart, Februar 1974Für Ammerbuch hieß das: Aus den bisher eigenständigen Gemeinden Reusten, Altingen, Breitenholz, Entringen und Pfäffingen sollte eine gemeinsame Gemeinde werden. Nach großem Streit und intensiven Verhandlungen darüber, wohin man sich orientieren solle – eine Einheitsgemeinde, eine Aufteilung der Dörfer zwischen Herrenberg und Tübingen oder eine Hinzunahme von Unterjesingen – kam am 4. Oktober 1971 ein Vertrag zustande, der die Grundlage für unsere heutige politische Gemeinde bildet: Aus sechs wird eins.
Einheit in Vielfalt
Unsere Gemeinde reicht von 792 Einwohner:innen in Breitenholz bis zu 3.792 Menschen in Entringen. Jedes Dorf hat eine eigene Identität und Struktur:
In Breitenholz ist die Feuerwehr prägend, es gibt eine eigene Dorf-App und ein Bioenergiedorf mit bundesweiter Strahlkraft. In Entringen wiederum kann man sich vor Angeboten kaum retten. Und trotzdem – oder gerade deswegen – sind wir ein Ammerbuch. Und das ist gut so.
Karte Vorderösterreichs um 1800 1 - Altingen, 4 - Breitenholz, 10 - Entringen, 34 - Pfäffingen, 37 - Poltringen, 39 - ReustenDie historischen Grenzen zwischen den Dörfern, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, sind heute überwunden. Was damals Vorderösterreich und das Herzogtum Württemberg waren, ist heute eins (Historische Karte bei LeoBW).
Diese Einheit ist politisch wichtig. Wir sind die viertgrößte Gemeinde im Landkreis und haben ein Mitspracherecht – gerade in der für uns so wichtigen Ammertalbahn. Doch Einheit bedeutet nicht, dass die Dorfidentitäten verloren gehen müssen. Die hitzig geführte Diskussion der letzten Jahre über die Zusammenlegung von Feuerwehrabteilungen hat gezeigt, wie stark und wichtig Selbstidentifikation ist – aber auch, dass es Bereitschaft zur Kooperation gibt und geben muss. Das Ergebnis war die Zusammenlegung der Feuerwehrabteilungen von Reusten und Altingen bei Erhalt aller übrigen Standorte.
Dorfidentiäten erhalten
Ammerbuch ist ein Gesamtkunstwerk. Es bleibt nur so attraktiv, wie es seine Einzelteile sind. Als GAL setzen wir uns dafür ein, dass jedes Dorf lebenswert bleibt und eine Infrastruktur hat, die ein gemeinschaftliches Dorfleben ermöglicht. Sei es das neu zu bauende Dorfgemeinschaftshaus in Breitenholz, die Zehntscheuern in Reusten oder Entringen, die alten Rathäuser und Schulen in Altingen, Poltringen und Pfäffingen oder die Dorfläden, Restaurants und Dienstleistungsbetriebe in allen Ortschaften.
In jedem Dorf können wir ein außerordentliches Engagement der Menschen beobachten – ob Narrenvereine, Sportvereine, Feuerwehren und viele mehr. Dieses Engagement verdient Respekt und muss in jedem Dorf gefördert und erhalten werden.
Gemeinsame Zukunft
Ammerbuch wird im Oktober 2026 fünfundfünfzig Jahre alt. Es gibt noch vieles zu tun, um die Lebensqualität und das Gemeinschaftsgefühl weiter zu stärken. Unsere Dörfer sind teilweise über 900 Jahre alt. Lassen wir Ammerbuch auch in Zukunft seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben.